Friday, 20. february 2009 5 20 /02 /Feb. /2009 12:29

Donnerstag, 19.02.2009. Ja wir leben noch, auch wenn Eva gerade heute mit Fieber im Bett liegt und sich wahrscheinlich wieder einen Virus eingefangen hat. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit hatte auch schon mal ein Magen-Darm-Infekt der Reihe nach so ziemlich jeden hier aus unserer Schule Loreto erwischt. Zum Glück waren wir drei nicht gleichzeitig sondern nacheinander krank.

Ansonsten ist nun bereits Halbzeit gewesen und wir haben demnach den größten Teil unserer Schule schon hinter uns. Die Zeit scheint rasend schnell zu vergehen.

Was ist in den letzten Wochen sonst noch passiert? Beispielsweise war Valentins-Tag. Für uns Deutsche und auch für die meisten anderen der Schule kein besonderes Ereignis. Unser junges Paar aus den vereinigten Staaten hatte sich aber etwas besonderes einfallen lassen und für alle Ehepaare einen Abend gestaltet. Die Amerikaner haben die ganze Organisation in die Hand genommen und wir konnten jeweils zu zweit am Tisch bei Kerzenschein Essen, Trinken und ein kleines musikalisches Programm mit Klavier und Gesang genießen. Am Ende wurde noch ausgiebig getanzt. Ein gelungener Abend. Das dies offenbar für alle so war zeigte sich für mich darin, wie schnell am Ende der Saal wieder aufgeräumt war weil jeder mit anpackte.

Da der Abend ja wirklich nur für die Paare gedacht war traf es sich für uns ganz gut, dass Eva an diesem Wochenende mit anderen Mädchen zwei Tage in einem Haus in einem kleinen Ort in den nahe gelegenen Bergen zugebracht hat. Ich muss sagen, dass ich selber überrascht war, wie sehr sie sich auf diesen Ausflug gefreut hat. Noch vor wenigen Wochen hätten wir uns das nicht träumen lassen, denn immerhin gab es unter allen die mitfuhren nicht einen der auch nur ein bisschen Deutsch sprechen könnte. Und bei „fremden“ Leuten hat Eva auch noch nicht oft übernachtet.

Wir haben uns und unser geräumiges Auto zur Verfügung gestellt um einige der Mädchen an den Ort des Geschehens zu bringen und auch wieder abzuholen. Das bot uns im Gegenzug die Gelegenheit wieder mal mehr von der Gegend hier kennen zu lernen. Und ich muss sagen, dass ich mich schon auf den Frühling freue, um diese wunderbare Landschaft und die Orte dann noch einmal zu besuchen.

Für Eva war es wohl auch ein schönes Wochenende, denn als wir sie abholten, war sie nicht begeistert nun wieder mit uns mit zu kommen. Aber über die Entwicklung von Eva können wir im Augenblick ohnehin nur staunen. Bis zu den Weihnachtsferien war für uns sehr stark zu spüren wie schwer ihr die Umstellung auf die neue Umge Loro Ciuffenna bung und vor allem die neue Sprache fiel. In der Schule musste sie Lesen und Schreiben lernen mit Worten, deren Bedeutung sie nicht kannte. Heute hat sie, so wie früher in Hamburg, keine Scheu Leute anzusprechen und redet gerne und viel, auch auf italienisch. Ihr geht es jetzt gut hier in Loppiano und dafür bekommen wir inzwischen von verschiedener Seite eine Bestätigung. Heute war dafür ein ganz besonderer Tag, den heute wurde den Eltern der 1. Klasse das Halbjahreszeugnis ausgehändigt. Ich saß also am Nachmittag vier Lehrerinnen gegenüber die mich anstrahlten und sich geradezu überschlugen mir zu erzählen was für eine tolle Entwicklung Eva in der letzten Zeit gemacht hätte, die selben Lehrerinnen, die noch vor einigen Monaten davon gesprochen hatten, welche großen Schwierigkeiten Eva hätte. Und Eva hat wirklich durchweg gute Noten (hier in Italien gibt es auch in der ersten Klasse schon richtige Noten). Diese Entwicklung zu sehen ist für uns wie das Hundertfache.

von DeDoe - veröffentlicht in: Alltag in Loppiano
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Friday, 9. january 2009 5 09 /01 /Jan. /2009 10:01

Wie mir inzwischen zu Ohren gekommen ist, wird dieser Blog doch von mehr Personen gelesen als mir bewusst war. Ich bitte daher um Verzeihung, dass ich nicht mehr so häufig wie zu Beginn die Gelegenheit finde hier etwas zu veröffentlichen. Die Feiertage von Weihnachten und Neujahr sind nun vorbei unsere „Lektionen“ haben wieder begonnen. Eigentlich hatte ich gedacht in der vermeintlich freien Zeit käme ich dazu auch hier im Blog wieder zu schreiben. Aber in dieser Zeit waren für mich dann doch andere Dinge wichtiger. Eines dieser Dinge waren vereinzelte persönliche Grüße an Freunde und Bekannte. Oft habe ich es in den vergangenen Monaten so gemacht, dass ich einen kurzen Gruß geschrieben habe und dann noch auf den Blog verwiesen habe. Heute will ich es einmal anders herum machen und einfach aus einer Mail zitieren, die ich nach Weihnachten an einen Freund geschrieben habe:


„...Tatsächlich, dieses Weihnachtsfest war schon etwas besonderes, in vielerlei Hinsicht. Wir sind nicht nach Deutschland gefahren sondern haben hier in Italien zusammen mit ca. 10 weiteren Familien unterschiedlichster Herkunft gefeiert. Das Interessante dabei für mich war eigentlich wieder einmal zu entdecken, wie sehr ich durch meine Kultur und meine Familie geprägt bin. Die ganze Organisation im Vorfeld war schon relativ schwierig. Und mit der Spontaneität einiger anderer Kulturen und den ständig wechselnden Programmen und Vorstellungen klarzukommen ist dann vielleicht für uns Deutsche besonders anstrengend. An einem gewissen Punkt hatte ich sozusagen den Kaffee auf. Denn irgendwie war am Heiligabend nachmittags dann doch wieder alles anders als vorher besprochen und ich hatte schon langsam keine Lust mehr mit den Anderen zusammen zu feiern. Anja ging es ähnlich. Wir waren in den letzten Tagen nicht einmal dazu gekommen für uns selbst zu überlegen und zu besprechen wie wir selbst eigentlich genau den Abend verbringen wollten. Nun ja, ich habe mich dann entschlossen in diesem Augenblick nicht allen anderen die Laune zu verderben und mich möglichst ganz auf das einzulassen was ich eben jetzt vorfand. Interessant war, dass das Fest dann eigentlich sehr schön war, viel besser sogar als ich es mir vorher vorgestellt hatte. Und vor allem viel besser als ich es selber hätte planen können. Da hilft eben doch nicht immer nur die deutsche Gründlichkeit. Auch Anja war hinterher glücklich.

Interessant ist auch, dass ich diese Erfahrung zwar schon mehrfach früher gemacht habe, aber irgendwie scheint der Mensch manchmal unbelehrbar zu sein. Ohne es zu merken hänge ich mich dann wieder an meine begrenzten Vorstellungen. Und hier habe ich nun wieder einmal die Entdeckung gemacht, dass ein Anderer im Himmel oft einen viel besseren Plan hat. Also in Kürze gesagt habe ich wirklich den Eindruck hier sehr elementare Erfahrungen zu machen.

(...)

Anja ist im Moment für 4 Tage in Rom auf einem Kongress. Ich habe mir heute Nachmittag Eva und zwei 9-jährige Zwillinge aus Costa Rica unter den Arm geklemmt und bin mit ihnen in die Appeninen gefahren wo in der entsprechenden Höhenlage 10-20 cm Schnee liegen. Für die Jungs aus Costa Rica ein echtes Ereignis. Wir haben einen Schneemann gebaut und Schneeballschlachten gemacht, eine riesen Gaudi. Auf der Rückfahrt im Auto haben wir auf Evas Wunsch hin Stefan Gwildis (Soulklassiker mit deutschen Texten) gehört. Diese Art der Mischung der Kulturen gefällt mir :-)...“


Inzwischen sind natürlich schon wieder einige Tage vergangen. Silvester z.B. habe ich jemanden wiedergetroffen, den ich bestimmt schon 15 Jahre nicht mehr gesehen hatte, da er seit dieser Zeit in Kanada wohnte. Er war sozusagen gerade auf der Durchreise. Für den späteren Abend dann hatten die Jugendliche dann ein schönes Programm vorbereitet um auf das neue Jahr zu warten. Ein großes Feuerwerk gab es hinterher zwar nicht aber das war auch nicht wichtig. Vor diesem Programm und auch danach haben wir dann noch mit den Familien zusammen gefeiert. Besonders nett fand ich dabei den Moment, in dem uns das litauische Paar einen neuen Tanz beigebracht hat. Schade dass die beiden unvorhergesehener weise bald abreisen müssen. Dafür haben wir aber nun Verstärkung von einem Paar aus den USA bekommen. Das Lustige an der Geschichte ist, dass diese haargenau am gleichen Tag Hochzeitstag haben wie die Litauer.


Nun ist also die „unterrichtsfreie“ Zeit beendet. Mittwoch haben wir zum ersten mal wieder in der großen Runde zusammengesessen. Eigentlich sollte es sofort im Programm weitergehen mit der Vertiefung eines Themas. Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass das nicht passt, denn vor Weihnachten war die Zeit knapp und es sind sehr viele Dinge passiert. Dann waren die ganzen Feiertage. Der Gesprächsbedarf bei mir, aber wie ich mir dachte wohl auch bei vielen anderen, war entsprechend hoch. Zum Glück bin ich meinem starken inneren Impuls gefolgt, und habe mit klopfendem Herzen meinen Eindruck gesagt. Und tatsächlich wurde mein Vorschlag bereitwillig aufgenommen sich erst einmal gegenseitig etwas von der letzten Zeit zu erzählen. Daraus ist ein wunderschöner Vormittag entstanden. Wunderschön für mich nicht weil schöne Dinge erzählt wurden, sondern besonders weil auch Punkte angesprochen wurden an denen es Schwierigkeiten gibt. Ich hatte dabei den Eindruck, dass die Beziehungen untereinander dadurch nicht angegriffen wurden sondern eher noch gewachsen sind. Es war dann gar nicht wichtig ob die Schwierigkeiten sofort gelöst werden können. Für mich war es der bisher eindrücklichste Moment der ganzen Schule und ich war sehr froh.


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Thursday, 18. december 2008 4 18 /12 /Dez. /2008 09:05

Mittwoch 17.12.: Heute ist mir erneut bewusst geworden was für ein verrücktes Unternehmen wir eigentlich eingegangen sind: Wir leben im Augenblick mit 9 verschiedenen Kulturen (Deutschland, Italien, Brasilien, Costa Rica, Ungarn, Kenia, Vietnam, Österreich, Litauen) auf mehr oder weniger engem Raum zusammen und wollen mit ihnen nicht nur irgendwie zusammen auskommen, sondern sogar eine Einheit erfahren. Es geht also nicht nur darum sich an die Gegebenheiten eines neuen Landes anzupassen, sondern wir machen dies sozusagen gleichzeitig 9 (und mehr) mal und wollen dabei auch noch in aller Verschiedenheit zu einem Konsens kommen.

Natürlich war das auch vor heute schon so, aber heute haben wir wieder einmal darüber gesprochen, wie wir das Weihnachtsfest feiern wollen. Und da es in jedem Land und oft auch in jeder Familie ganz eigene Traditionen hierzu gibt, ist es gar nicht so leicht einen Modus zu finden, der allen gefällt. Ich bin schon gespannt wie das Fest am Ende wirklich aussehen wird. Eine Besonderheit unserer Familienschule von diesem Jahr ist in jedem Fall, dass wir sehr viele kleine Kinder hier haben, und vieles daher auf die Bedürfnisse von Familien mit kleinen Kindern ausgerichtet sein muss. Für den Heiligen Abend haben wir daher am Nachmittag nun ein kleines Krippenspiel geplant, bei dem alle Kinder mitmachen können. Ansonsten wird es am 25. Dezember wohl auf ein gemeinsames Mittagessen hinauslaufen.

Weihnachtsbäckerei

Wer sich übrigens immer schon mal gefragt hat, wie der Winter in der Toskana ist, dem sei gesagt: Es ist sehr feucht! Zumindest in diesem Jahr. In den letzten Wochen hat es außer viel Nebel immer auch wieder viel Regen gegeben. Der Boden ist ziemlich aufgeweicht. Mit Sammeln von Stroh oder Moos für die Weihnachtskrippe sah es damit etwas ungünstig aus. Unsere Krippe wird in diesem Jahr jedenfalls wohl ein umgebauter Karton sein in dem sich einige Figuren aus Salzteig tummeln werden. Auf einen „echten“ Weihnachtsbaum werden wir wohl verzichten müssen. Diese trifft man hier leider eher selten an. Verbreitet hingegen sind ihre künstlichen Artgenossen. Den Duft von Tannengrün werden wir dann wohl nicht haben. Was es sonst noch so alles zum Dekorieren gibt werden wir spätestens am Sonntag sehen, wenn wir den Saal und die Häuser schmücken werden. Ich habe schon einen Karton mit einem kleinen singenden Weihnachtsbaum gesehen. Weihnachten ist also gerettet.


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Wednesday, 19. november 2008 3 19 /11 /Nov. /2008 08:58
Nebel in Loppiano Der November ist auch in Loppiano nicht immer ein angenehmer Monat. Hier in der Gegend ist es oft extrem feucht, auch wenn es wenig regnet. Morgens hängt der Nebel im Tal und zieht sich dann über den ganzen Vormittag hinweg die Hänge hinauf, so dass man oft erst mittags wirklich etwas vom Himmel sieht. Bei diesem Wetter Wäsche zu trocknen ist ein extrem schwieriges Unterfangen. Zum Glück gibt es einen Wäschetrockner dem man zumindest weniger empfindliche Textilien anvertrauen kann.

Ich habe mich trotzdem etwas in dieses Wetter verliebt, da ich diesen Blick in das vernebelte Tal am Morgen sehr mag. Die Berghänge der Appeninen mit den unterschiedlichen Brauntönen der herbstlichen Wälder, die Zypressen und dann noch die vereinzelten Kastelle auf den Hügeln. Diese Kulisse ist einfach grandios.

Grandios ist auch weiterhin das Leben hier. Aber es wird auch immer intensiver. Wir lernen uns immer besser kennen und das bringt natürlich auch mit sich, dass die eine oder andere Schwierigkeit auftaucht. Hier mal ein Beispiel: Kürzlich hatte Eva ihre Lieblings-Puppen herausgeholt und spielte mit einem anderen Mädchen. Plötzlich sah ich wie das andere Mädchen einer Puppe eine Krone vom Kopf riss, die eigentlich mit einem dünnen Faden dort festgenäht war. In mir regte sich Ärger, denn mir widerstrebt es zutiefst wenn andere Personen meine Sachen nicht so behandeln, wie ich sie behandele. Und aufgrund meiner Erziehung versuche ich immer sorgfältig und vorsichtig mit allem umzugehen. Trotzdem wurde mir in diesem Moment klar, dass es ja nicht meine Puppe war, sondern Evas, und dass es also zunächst einmal nicht meine Sache war mich aufzuregen. Außerdem war mir klar, dass das andere Mädchen vielleicht ganz anders erzogen ist und keine böse Absicht hatte. Ich beschloss also erst mal mich zurückzunehmen und fragte nur „Warum tust Du das?“. Kurz darauf, sah Eva die Puppe und die Krone. Empört schrie sie kurz auf. Dann schaute sie sich die Krone an, nahm sie, setzte sie einer anderen Puppe auf den Kopf und freute sich über diese neue Kreation. Für mich war das eine Lehre. Ich merke, dass es eine oft schwierige aber notwendige Sache ist, das Herz weit zu machen und nicht zu eng zu denken und zu handeln. Vielleicht ist ja auch das damit gemeint, wenn im „Wort des Lebens“ für November steht „... verleugne sich selbst und folge mir nach ...“.


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Tuesday, 4. november 2008 2 04 /11 /Nov. /2008 12:25

Wie man sieht werden im Augenblick die Abstände zwischen den Blogeinträgen länger. Dies liegt aber nicht daran, dass es nichts zu erzählen gäbe. Im Gegenteil. Hier passiert immer so viel, dass es einfach schwer ist, einen Moment zu finden, es aufzuschreiben. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass viele Dinge die passieren eher banal wirken, wenn ich versuche, sie in Worte zu fassen. Für mich steckt darin eine Besonderheit, denn der Alltag ist auch hier wirklich von vielen alltäglichen Dingen bestimmt und trotzdem bekommen diese Dinge plötzlich eine andere Bedeutung, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Ich habe daher lange überlegt, ob ich überhaupt darüber schreiben soll, aber ich möchte hier einfach mal ein Beispiel eines solchen Tages geben, der für mich persönlich etwas ganz Besonderes war:

Es handelt sich um den Donnerstag in der vorangegangenen Woche. An diesem Tag gab es in der Schule einen Streik. Der Unterricht konnte nicht sichergestellt werden und alle Eltern hier haben beschlossen, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Dies bedeutete natürlich, dass es auch für uns Eltern nur eingeschränkt möglich sein würde unsere Schule zu besuchen. Darum haben wir die Kinderbetreuung unter uns organisiert. Am Donnerstagmorgen saßen schließlich 5 Mädchen im Alter von 4-6 Jahren bei uns in der Küche und malten, beaufsichtigt von mir und der brasilianischen Mutter. Später haben wir dann noch Plätzchen gebacken. Eva hat, nachdem sie erst alle ihre Spielsachen im Schlafzimmer in Sicherheit gebracht hatte, dann doch ganz freiwillig und ohne mein Zutun diese mit den anderen geteilt. Am Ende waren die Kinder auf jeden Fall recht ruhig und wirkten auf mich zufrieden. Auch für Eva war es, soweit ich es beurteilen kann, ein schöner Vormittag.

Nach dem Mittagessen wollte ich möglichst bald in die Autowerkstatt (Auch einen Mechaniker gibt es hier). Denn irgendwo am Wagen scheint eine Schraube locker zu sein. Die Straßen sind hier recht holprig und der Wagen macht bei den Bodenwellen und Löchern im Straßenbelag neue ungewohnte Geräusche. Nun bat mich mein italienischer Nachbar, ob ich nicht kurz auf seinen 2-Jährigen Sohn aufpassen könnte, der gerade Mittagsschlaf machte. Ich bot sofort an, doch auch gleich noch auf seine 4-Jährige Tochter aufzupassen. Mein Nachbar fuhr also los zum Einkaufen. Eva malte und spielte mit seiner Tochter. Die Zeit ging dahin und mein Nachbar kam nicht wieder. Irgendwann wachte der Kleine auf. Was für ein Glück, das nun seine Schwester da war und Ihm gut erklären konnte, wo Papa gerade steckt. Tatsächlich saßen plötzlich alle 3 Kinder bei uns in der Küche und wollten gerade zu Spielen beginnen, als der Kleine merkte, dass ihm das doch alles nicht ganz geheuer war und zu Papa wollte. Zwischendurch tapsten also Schwester und Bruder die Treppe hinunter um draußen Ihren Papa zu suchen und ich hatte einige Not sie davon zu überzeugen, dass das mit Socken an den Füßen und ohne Jacke sicher keine so gute Idee wäre. Auch hier muss ich jetzt leider die Erzählung abkürzen aber als Papa dann endlich kam hatte sich die Lage bereits wieder beruhigt und wir hatten zusammen die Situation gemeistert: Eva hatte geduldig akzeptiert, dass ich mich ein bisschen intensiver um die andern beiden kümmern musste. Die 4-Jährige hat ihrem Bruder geholfen Stiefel und Hose zu finden und anzuziehen und ich hatte das Vertrauen der Beiden gewonnen.

Nun ging es also für mich und Eva ab zur Werkstatt. Dort hatte sich aber inzwischen ein dringender anderer Auftrag dazwischen geschoben. So konnte ich nur einen Termin für die nächste Woche abmachen. Da wir aber nun schon mal in der Nähe waren, hatte ich die Idee Eva meine Arbeit zu zeigen, was Eva auch sehr gerne wollte. Ich weiß nicht wie oft sie gefragt wurde: „ Come ti chiami?“ und „Quanti anni hai?“ Wir sind dann auch noch die Pause über geblieben und Eva hat sich noch mit einem Ordensmann aus Deutschland unterhalten und viele meiner Kollegen kennengelernt.

Danach wollten wir noch einkaufen. Auf dem Weg zum „Market Insieme“ liegt die Werkstatt von Ciro, einem Künstler, der praktisch aus altem Schrott und Müll Kunstwerke erstellt. Ich dachte mir, das würde Eva interessieren. Und spontan sind wir angehalten und hineingegangen. Ciro war leider nicht da. Aber trotzdem haben wir eine kleine Führung von einem sehr netten Mann bekommen.

Gerade als wir gehen wollten kam uns ein ganz in Orange gekleideter Mann entgegen. Ich traute meinen Augen kaum, denn vor mir stand ein thailändischer buddhistischer Mönch, der in der Fokolar-Bewegung unter dem Namen Luce Ardente sehr bekannt ist. Vor etlichen Jahren hatte ich sogar mal einige E-Mails mit ihm ausgetauscht. Auch wenn er sich daran nicht mehr erinnerte und die Kommunikation eher schwierig war, war es eine nette Begegnung und wir werden demnächst sicher in seinem Fotoalbum auftauchen.

Danach sind wir dann noch zum Market gefahren. Dort habe ich dann noch einige der Jugendlichen die dort arbeiten näher kennengelernt. Vor allem einen Koreaner, der sich immer freut, wenn er Eva sieht.

Am Abend sind wir schließlich noch in der Kirche gewesen. Ich war dankbar für den Tag, da wieder einige Beziehungen gewachsen waren. Rings um uns in der Kirche saßen Menschen, die wir den Tag über gesehen hatten, keine Fremden mehr. Eva war ruhig und sang sogar bei einigen Liedern mit.

Dann wurde verlesen, bei wem aus der Fokolar-Bewegung sich an diesem Tag der Todestag jährt. Und es war der Jahrestag von Hans-Jürgen Obermeyer. Dies ist der Priester, durch den Anja und letztendlich auch ich die Fokolar-Bewegung überhaupt erst kennengelernt haben und bei dem wir geheiratet haben. Ich war einfach nur glücklich und dankbar. So glücklich, wie man es eben nicht mit Worten beschreiben kann. Dieser so einfache Tag ist zu einem der schönsten in meinem Leben geworden.

von DeDoe - veröffentlicht in: Alltag in Loppiano
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